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Home is where the heart is
Foto: Unsplash.com/ Erik Witsoe

Drei Herzen in einem

Was ist Heimat und wie gehen junge Menschen mit dieser Frage um? Sophia (17) beschreibt, wie sich das anfühlt, auf der Suche zu sein.

Sophia (17)

Home is where the heart ist. Zuhause ist da, wo das Herz ist. Aber was ist, wenn in der Brust mehrere Herzen schlagen? Wenn Heimat ein Plural ist? Bei mir gibt es da gleich drei: das deutsche, das türkische und das spanische.

Man sollte meinen, dass die deutsche Seite in mir die Überhand hat, schließlich bin ich in Deutschland geboren, aufgewachsen und ich kann mir nicht vorstellen, von hier fortzugehen. Deutsch ist meine Muttersprache. Ich rede deutsch, ich schreibe deutsch und ich kann mich in die gewohnten, angeblich ziemlich harten Klänge flüchten, wenn mir nach einem Besuch der türkischen Verwandtschaft die Ohren schwirren. Ich spreche kein Türkisch und auch von Spanisch verstehe ich nicht mehr als die Brocken, die ich in der Schule gelernt habe. All das führt doch eigentlich zur logischen Konsequenz, dass ich Deutsche bin und das hier meine Heimat ist. Oder?

Eigentlich. Denn ich bin die einzige mit dunklerer Haut und beinah schwarzen Haaren auf dem Klassenfoto. Wäre ich Deutsch, würde ich nicht jedes Mal zu meinem Nachnamen befragt werden. Was hat das damit zu tun, dass ich ständig zu spät komme. Warum werde ich auf einer Sprache angesprochen, die ich nicht beherrsche? Würde niemand auf die Idee kommen, dass ich nicht deutsch sein könnte, würde niemand zu mir “Scheiß Ausländer” sagen und mich mit einem Kloß im Hals zurücklassen.

Eine Freundin hat mir mal gesagt, dass ich solche Hasskommentare einfach ignorieren soll, schließlich bin ich ja keine Ausländerin, nur weil meine Eltern aus anderen Ländern kommen. Ich habe darauf nichts gesagt. Nicht weil sie Recht oder Unrecht hat, sondern weil es nicht so einfach ist.

Was bin ich? Was sind wir Multikulti-Kinder? Die Kinder, die irgendwie deutsch, aber dann doch auch wieder nicht und irgendwie türkisch oder spanisch oder indisch oder was auch immer sind, aber dann doch nicht so ganz. Wo sind wir zuhause, wir Kinder, die anders, aber irgendwie doch nicht anders sind?

Vorstellen kann man sich mein Multikulti-Kinder-Gefühl so, als würden die Großeltern oder die besten Freunde in einer anderen Stadt wohnen. Wenn man bei ihnen ist, dann fühlt es sich an wie nach Hause kommen, aber es fehlt der Alltag. Ist man aber ohne sie, dann fehlt etwas.

Ich habe keine Antwort, aber eine Idee. Vielleicht ist Heimat gar kein Ort. Vielmehr sind es die Menschen, die du deine Heimat nennst. Die auf den Klassenfotos neben einem stehen. Die deinen Nachnamen aussprechen können wie den eigenen. Die Menschen, die immer auf einen warten und vor allem diejenigen, die im Ernstfall zurückbeleidigen, wenn man beleidigt wird.

Dann aber ist Heimat also nicht da, wo das Herz ist, sondern dort, wo viele Herzen im selben Takt schlagen.

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