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picture alliance / blickwinkel/McPHOTO/M. Gann | McPHOTO/M. Gann

Eine Weihnachtsgeschichte

Corona hat vieles verändert und dieses Weihnachten wird ein sehr besonderes werden. Für viele wird dieses Fest einsamer als sonst. Zeit für ein wenig Hoffnung, Zeit für eine Weihnachtsgeschichte, jetzt erst recht! Seyon hat eine für uns geschrieben.

Seyon (13)

Mario, ich und das Ende der Welt

Letzte Woche ist etwas Komisches geschehen. Dieses Corona-Virus ist endgültig zu weit gegangen: Ich darf Mario nicht mehr sehen. Mario ist mein Freund – mein bester Freund. Die Glamovskis, so heißt die Familie von Mario, kommt aus Polen und lebt in einer mehrstöckigen Wohnung. Obwohl die Wohnung nur ein paar Straßen von unserer entfernt ist, sehe ich Mario nur in der Schule. Meine Eltern meinen, ich soll vor allem mit deutschen Kindern spielen. Sie mögen es nicht, wenn ich mich mit Ausländern treffe oder mit denen befreundet bin, denn wir sind eine sehr deutsche Familie. Ich bin in Deutschland geboren, meine Eltern sind in Deutschland geboren, und, soviel ich weiß, meine Großeltern auch. Trotzdem finde ich das seltsam, aber meine Eltern lassen mich nicht mal mit Mario telefonieren. Und dieser Corona-Virus hat jetzt dafür gesorgt, dass ich Mario nicht einmal mehr in der Schule sehen kann. Also habe ich beschlossen, gar nicht erst zu versuchen, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Denn immer, wenn ich probiere, mich mit ihm zu treffen, bekommen meine Eltern Wind davon – und dann kracht es bei uns zuhause.

Eine Woche verging. Und hier bin ich, starre auf meine Kuscheltiere und habe keinen Plan, was ich jetzt machen soll. Da fällt mir auf, dass ich noch Geschenke vom letzten Weihnachten herumliegen habe, die ich noch gar nicht ausgepackt habe. Ich war die ganze Zeit so sehr mit meinem neuen Fahrrad von Onkel Wehmeyer beschäftigt, dass ich die anderen Geschenke ganz und gar vergessen hatte. In den ersten beiden Päckchen sind ein paar Bücher und Klamotten. Doch dann fällt mein Blick auf ein drittes Geschenk ganz hinten in der Ecke, das eigentlich nicht zu übersehen ist, weil es so groß ist. Ich packe zügig das Geschenk aus und kann es gar nicht fassen! Es ist die Puppenshow-Ausrüstung, die ich mir schon seit Jahren gewünscht habe! Jetzt weiß ich endlich, was ich machen kann! Ich verwandele mein Zimmer in ein Puppentheaterhaus! Es gibt nur ein Problem: Die Puppenshowbühne und die Puppen selbst sind leider nicht dabei. Also habe ich auch gleich eine Aufgabe: Eine eigene Puppenshowbühne und Puppen zu basteln! Ich mag Basteln! Das kann man auch daran erkennen, dass mein Zimmer voll gestellt ist mit selbstgebasteltem Zeug. Ich gehe in den Keller und hole alles, was ich zum Basteln brauche – und dann geht es los! Nach drei Stunden bin ich endlich mit der Bühne fertig, und sie sieht brillant aus. Ich habe mir sogar noch die Mühe gemacht, sie mit Bändern und Bildern zu verzieren.

Jetzt muss ich nur noch die Puppen basteln. Das ist schwieriger, als ich gedacht habe, denn ich muss den Körper aus Holz basteln und dann noch die Kleider nähen. Mario und ich nähen gerne. Wir sind sogar in derselben Strick- und Nähgruppe. Als ich endlich auch mit den Puppen fertig bin, denke ich mir eine Geschichte aus, die ich mit auf der Puppenshowbühne aufführen kann. Und ich habe die Idee des Jahrhunderts: Ich könnte mit einer Puppenshow meinen Eltern erklären, dass jeder Mensch ungeachtet von seiner Nationalität gleich ist, denn in dieser Corona-Zeit kann jeder sterben! Das Virus kennt keine Nationalität. Wenn sie diese Puppen-Aufführung sehen, dann werden sie sicher erlauben, dass ich mich mit Mario treffen kann.

Am nächsten Tag bitte ich meine Eltern in mein Zimmer – und führe meine Puppenshow auf. Als ich fertig bin, macht mein Magen einen Hüpfer. Meine Idee hat geklappt und meine Eltern sind beeindruckt. Sogar mein Vater trägt nach einer langen Denkpause ein Lächeln im Gesicht. Am folgenden Tag darf ich eine Videokonferenz mit Mario machen. Es fühlt sich sehr gut an, ihn wieder zu sehen.

Und wenn in ein paar Monaten das Virus hoffentlich endlich ausgestorben ist, dann werden Mario und ich uns nicht mehr nur per Video, nicht mehr nur in der Schule, sondern auch nach der Schule treffen. Bestimmt. Meine Eltern meinen sogar, Mario darf bald auch zu uns nach Hause kommen, wenn er selber bei sich zu Hause Schwierigkeiten hat. Der Tag der Puppenshow war also der schönste Tag meines Lebens.

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Lesermeinungen

  1. Vithun
    18.12.2020

    Eine schöne inspirierende Geschichte mit viel Tiefgang. ♥️

    Danke Seyon.

    P.S.: Mein bester Freund heißt übrigens auch Mario.

  2. Abinaya
    06.01.2021

    Seyon deine Geschichte ist sehr sehr sehr sehr sehr schön 😍😍😍😍🥰🥰🥰

  3. Supashini Ragulan
    24.01.2021

    Lieber Seyon.
    Eine wundervolle, inspirierende Geschichte, die für mich auch die soziale Einsamkeit von Kindern in dieser Corona-Zeit beschreibt. Es ist so schwierig sich nicht mit Freunden treffen zu können. Mach weiter so mit dem Schreiben. Du hast sehr viel Talent. Danke und alles Gute.
    Gruss aus London
    Supa Aunty.

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