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Fragen der Solidarität

Während der Schulschließungen hat sich unser Autor damit beschäftigt, warum es längst nicht reicht, nur kurzfristig solidarisch zu sein.

Guilherme (16)

„Nein, diese Pandemie ist kein Krieg. (…) Sondern sie ist eine Prüfung unserer Menschlichkeit. Sie ruft das Schlechteste und das Beste in den Menschen hervor.“ Mit diesen Worten wandte sich Bundespräsident Steinmeier im April 2020 an die Bürger*innen und traf meiner Meinung nach entscheidende Aussagen: Diese Pandemie ruft das Beste und Schlechteste in uns Menschen hervor.

Das Schlechteste sahen wir deutlich: rassistische Angriffe gegen Menschen, die asiatisch gelesen wurden. Leere Supermarktregale wegen der Egoismen einzelner. Es ging um – ich möchte das hier noch einmal festhalten – Klopapier.

Auch das Beste konnten wir in den ersten Wochen der Corona-Maßnahmen im Frühling 2020 bei vielen Menschen beobachten: Sie gingen für ihre Nachbar*innen einkaufen, nahmen Rücksicht und halfen einander. Auch auf anderer Ebene gab es Solidarität. Europäische Nachbarländer halfen sich gegenseitig bei der Aufnahme von COVID-19-Patient*innen. Man einigte sich außerdem auf Hilfspakete, wenn auch erst nach langem Ringen. Für mich steht fest: Dieses Aufkommen der Solidarität ist der Pandemie zu verdanken. Viele Menschen brauchen erst eine existenzielle Gefahr, die sie direkt betrifft, um Missstände wahrzunehmen und zu handeln. Millionen Obdachlose und ihre Not gab es schon vor dieser Krise. Tausende Geflüchtete auf den griechischen Inseln gab es schon vor der Krise. Und die Lebensbedingungen dort waren auch ohne einen lebensgefährlichen Virus menschenunwürdig. Das Pflegepersonal war schon vor der Krise überlastet. Diese Missstände haben sich mit der Corona-Krise verschlechtert, doch sie existierten schon davor.

Im Alltag sind Menschen zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um diese Probleme wahrzunehmen. Dementsprechend passiert oft nichts. Das ist der Vorteil dieser Ausnahmesituation: Durch die Pandemie werden Missstände stärker wahrgenommen. Mit einer besser aufgeklärten Gesellschaft ist es möglich, dass wir unseren Alltag künftig so gestalten, dass viele dieser Missstände beseitigt werden.

Ungerechtigkeit durch das Virus?

Die Krise trifft uns alle, doch nicht jeden Menschen gleich hart. Die Schwachen in unserer Gesellschaft und auf diesem Planeten haben mit dieser Krise stärker zu kämpfen. Außerdem führen systematische Diskriminierung und systematischer Rassismus dazu, dass benachteiligte Menschen stärker von dem Virus betroffen sind und ihr Krankheitsverlauf öfter ein tödliches Ende nimmt. Dieses traurige Geschehen lässt sich 2020 beispielsweise in den USA beobachten. Afroamerikanische Gemeinschaften sind überproportional häufig Infektionen ausgesetzt und haben mehr Tote zu verzeichnen als andere Gemeinschaften. Dies liegt an dem systematischen Rassismus und der Diskriminierung, den diese Menschen tagtäglich erfahren müssen: fehlende gesundheitliche Infrastruktur, fehlende sanitäre Infrastruktur, fehlende Arbeitsplätze, fehlende Bildung.

Solidarität, aber nicht für jede*n?

Nicht jeder Mensch wird in dieser Pandemie unterstützt. Die Unterstützung und die Hilfe, die eine Person bekommt, hängen letztendlich vom Wohnort, der Hautfarbe oder dem Pass ab. Und auch davon, ob und wie sich die einzelnen Staaten untereinander helfen. Während in Deutschland viele Unternehmer*innen Soforthilfen ihrer Landesregierung bekamen, müssen Unternehmer*innen in anderen Ländern hoffen, dass sie irgendwie über die Runden kommen. Aufgrund der hohen Staatsverschuldung ist vielen Staaten nicht möglich, finanzielle Hilfen und Rettungsprogramme anzubieten. Hier gilt es, die Schulden unbedingt zu erlassen, damit die Staaten souverän ihr Land vor dem Kollaps retten können. Italien zum Beispiel oder Griechenland.

Ein Blick auf die griechischen Inseln zeigt, dass Solidarität auch davon abhängt, wo sich die Person befindet und welche Geschichte diese Person hat. Moria – ein Lager auf Lesbos – ist für 3.000 Menschen ausgestattet. Dort lebten im August 2020 über 20.000 Menschen. Und zwar seit Jahren. Für diese Menschen gibt es kein „vor oder nach Corona“. Für die gibt es nur ein „trotz Corona“. Die Zustände sind menschenunwürdig. Anstatt diese Lager zu räumen, schaut die EU tatenlos zu.

Viele Leben hängen von unserer Solidarität ab. In weiten Teilen wird sie leider vermisst. Oft weil der politische Wille fehlt; weil wir privilegierte Menschen so sehr mit unserem eigenem Leben beschäftigt sind. Weil Strukturen es nicht zulassen. Weil in unserer Gesellschaft noch immer Herkunft und Aussehen eine größere Rolle spielen als Solidarität und Menschlichkeit.

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