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Blick auf Schulhof
Foto: picture alliance / dpa | Michael Löwa

Ich habe Diabetes und wurde gemobbt

Lif-Greta leidet an Diabetes. Hier schildert sie ihre Mobbing-Erfahrungen – und wie sie daran nicht zerbrochen ist.

Lif Greta (16)

Ein ganz normaler Tag. Kaum in der Schule angekommen, bekomme ich die schrägen Blicke von den anderen aus meiner Klasse mit. Ich habe mir, wie jeden Tag, vorgenommen, einfach an ihnen vorbeigehen, als wenn nichts wäre. Aber ich weiß schon, wie jeden Tag, dass das nicht funktionieren wird. Oder doch, dieses eine Mal? Ich bin gerade vorbei gelaufen an der Gruppe, da höre ich, wie jeden Tag: „Ey, du behindertes Miststück!“.

Ich bin 16 Jahre alt. Seit fast zwölf Jahren leide ich an Diabetes und gelte deshalb vor dem Gesetz als behindert. In meinem Behindertenausweis steht, ich sei es zu 50 Prozent. Seit meinem vierten Lebensjahr trage ich immer, wohin ich auch gehe, eine Insulinpumpe mit mir herum, die meinen Körper mit Insulin versorgt, damit mein Blutzuckerspiegel nicht auf ein gefährliches Niveau steigt. Trotzdem hatte ich mein ganzes Leben noch nie Probleme mit Mobbing, jedenfalls bis ich auf eine weiterführende Schule gegangen bin.

Was mir, nachdem ich von der Grundschule auf das Gymnasium gekommen bin, genau passiert ist, ist gar nicht so einfach zu erklären. Aber von Anfang an fiel es mir schwer, mich in meine neue Klasse zu integrieren. Ich habe mich immer irgendwie anders gefühlt, schon allein weil ich jünger als die anderen war – und dann kam auch die Diabetes dazu. Alle können jederzeit essen und trinken, was sie wollen, aber ich muss immer auf meinen Blutzuckerwert aufpassen – das fällt natürlich auf. Oft wurde ich ausgegrenzt und behandelt, als ob ich unfähig wäre. Manchmal haben mich meine Mitschülerinnen und -schüler behandelt, als wäre ich für sie gar nicht da. Wenn ich dann doch für sie existiert habe, kamen die Sprüche. Die meisten habe ich mittlerweile vergessen, aber eingebrannt in meinem Kopf ist: „Behindertes Miststück“.

Ich blieb zuhause – und es wurde nur schlimmer

Deshalb blieb ich mit der Zeit immer öfter zuhause, aber das hat es eher schlimmer gemacht. Vielleicht hätte ich stark bleiben müssen, vielleicht hätte ich mich wehren und mich für mich einsetzen müssen. Stattdessen bin ich noch öfter zuhause geblieben, weil ich mich einfach nicht mehr wohl gefühlt habe in der Schule. Durch mein Fehlen sind aber Gerüchte entstanden, die alles nur noch schlimmer gemacht haben.

Ob das Mobbing war, kann ich bis heute nicht wirklich sagen. Aber ich habe nach Hilfe gesucht. Ich habe mich mit Beratungslehrern und Psychologen zusammengesetzt und das alles durch gesprochen. Manchmal sogar ohne meine Eltern. Oft ging es mir nach diesen Gesprächen tatsächlich besser, weil ich einfach meine Sorgen und Ängste rauslassen konnte. Manchmal dachte ich aber auch, dass meine Erfahrungen mit Mobbing gar nichts mit Mobbing zu tun haben, weil es doch Menschen gibt, die noch schlimmer behandelt werden, als ich damals. Viele werden ja nicht nur in der Schule gemobbt, sondern auch noch im Internet und über das Telefon. Dazu ist es bei mir nie gekommen.

Ich habe dann eine Klasse wiederholt und dachte, dass es besser werden würden. Die ersten Tage und Wochen liefen dann tatsächlich auch besser, meine neue Klasse zeigte sich ziemlich offen mir gegenüber. Aber trotzdem bin ich ja den Schülerinnen und Schüler aus meiner alten Klasse immer wieder über den Weg gelaufen. Und dann kamen sie wieder, die komischen Blicke und die gemeinen Sprüche.

Meine Eltern haben mir immer zugehört – das war wichtig

Das alles hat erst wirklich aufgehört, als ich nach der 6. Klasse auf eine Realschule gewechselt bin. Das habe ich zusammen mit meinen Eltern zusammen beschlossen, weil meine Noten nicht allzu gut waren und ich mich auf dem Gymnasium so lange nicht wohl gefühlt habe. Meine Eltern standen die ganze Zeit hinter mir. Sie wussten immer über alles Bescheid und haben mich immer unterstützt. Sie haben alle Vorfälle mitbekommen und sie haben auch Gespräche mit meinen Lehrern geführt. Aber leider kam es mir so vor, dass manche Lehrer einfach zu faul waren, um sich um mein Problem wirklich zu kümmern und zu versuchen, daran etwas zu ändern.

Meine Erfahrungen waren negativ, aber ich habe auch positive Aspekte aus ihnen gezogen. Negativ ist natürlich, dass ich in dieser Schule ganz auf mich alleine gestellt war und jeden Tag mit Ängsten und Traurigkeit leben musste. Das wünsche ich niemandem, vor allem nicht als solch junger Mensch,  wie ich es damals war. Die Erfahrungen, die ich gemacht habe, sind immer noch nicht ganz überwunden. Manchmal durchlebe ich einen Traum, in dem sich alles wiederholt, was damals passiert ist. Und manchmal begegne ich zufällig Leuten, die ich aus dieser Zeit kenne. Solche Erlebnisse bringen immer wieder kurzzeitig die alten Erfahrungen und Gefühle zurück.

Aber es gibt auch Positives. Ich bin selbstbewusster geworden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Eltern mir immer geholfen und zugehört haben.

Mittlerweile kann ich sogar mit meinen Erfahrungen anderen Menschen helfen, die selbst von Mobbing betroffen sind. Durch die Medienscouts treffe ich auf junge Schülerinnen und Schüler, die Opfer von Mobbing und Cybermobbing sind, und berate sie. Anderen Mobbing-Opfern helfen zu können, ist eine tolle Erfahrung.

 

 

 

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