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Foto: unsplash.com/jontyson

Mein Stalker und ich

Unsere Autorin Amenda (18) wurde plötzlich mit Stalking, also Belästigung und Verfolgung, konfrontiert und hat ihre Erlebnisse aufgeschrieben.

Amenda (18)

Ich stand im Drogerie-Markt, suchte gerade nach einem bestimmten Shampoo, als ich aus dem Augenwinkel einen Mann an den Regalen vorbeilaufen sah, der mich unentwegt anstarrte.

Den hatte ihn doch schonmal gesehen! Ich erinnerte mich daran, dass er vorhin an der Supermarkt-Kasse gestanden hatte und mich schüchtern, aber auch irgendwie seltsam, angelächelt hatte.

Ich legte das Shampoo in meinen Einkaufskorb und konnte meine Augen vor Angst nicht von der Stelle nehmen, an der er gerade vorbeigelaufen war. Mein Herz klopfte und ich war wie erstarrt.

Beruhige dich, Amenda. Das heißt doch nichts, dass er jetzt hier ist. Vielleicht macht er gerade auch einen Großeinkauf und braucht hier was.

Ich atmete tief durch, bevor ich zur Kasse ging, um zu bezahlen. Doch während ich dort anstand, konnte ich ihn wieder durch die Glasfront vor dem Laden stehen sehen.
Vielleicht wartet er gerade auf jemanden, versuchte ich mich zu beruhigen, und vorher hat er die Person vielleicht bloß gesucht.

Bloß wurde mir schnell klar, dass die Person, auf die er gewartet hatte, ich war. Er zeigte mir wieder dieses komische Lächeln und ich wollte einfach nicht glauben, dass mein schlechtes Bauchgefühl die ganze Zeit über berechtigt gewesen war.

Ich ignorierte ihn und lief an ihm vorbei, merkte aber schnell, dass er mir hinterherlief. Meine Schritte wurden schneller, seine auch. Er holte mich ein und stellte sich vor mich. Mein Herz setzte fast aus und ich hätte in dem Moment aufschreien können.

Unerwünschte Ansprache

„Hallo, ich heiße Matthias“, sagte er und hielt mir seine rechte Hand hin. Vor mir stand ein großer Mann, der ungefähr Mitte zwanzig war. Er hatte blonde Haare, Fünf-Tage-Bart und eine Chicago Bulls-Cap auf. „Schön für dich“, sagte ich und lief um ihn herum, um weiterzugehen. Dabei versuchte ich, mir nicht anmerken zu lassen, dass ich vor Schreck fast umgekippt wäre. Aber er stellte sich ein nochmal vor mich und fragte diesmal: „Wie heißt du denn?“
„Geht dich nichts an“, antwortete ich knapp und lief weiter. Diesmal packte er mich bei meinen Schultern und schüttelte mich. Die Angst blieb mir im Hals stecken, als ich merkte, wie viel mehr Kraft er hatte als ich. Wenn er jetzt wirklich etwas Schlimmes vorhatte, hätte ich nie im Leben eine Chance gegen ihn. „Du bist wunderschön, bitte…“, sagte er mit Verzweiflung in der Stimme.

Ich nutzte die Chance, als ich spürte, dass sich sein Griff lockerte, um mich loszureißen und rannte sofort in das nächste Geschäft. Er hörte nicht auf mir zu folgen. Ich lief durch die Regale, um ihn abzuhängen und rannte schnell nach Hause, als ich ihn nicht mehr sehen konnte.

In unserer Wohnung angekommen, knallte ich die Tür zu und versuchte mich zu sammeln. Als ich wieder klar denken konnte, schlug ich mir vor die Stirn. Ich hätte mir von jemandem Hilfe holen sollen, statt einfach nach Hause zu laufen. Aber ich hatte so große Angst gehabt, dass ich gar nicht auf die Idee gekommen war. Vielleicht war er mir bis nach Hause gefolgt. Ich wurde langsam paranoid.

Am nächsten Morgen sah ich ihn wieder. Und er starrte mich an, aber kam mir nicht näher.
Ich war gerade auf meinem Fahrrad und fuhr zur Schule. Was sollte ich tun, jetzt wo er wusste, wo ich wohne? Sollte ich es meinen Eltern sagen? Was wenn ich irgendwann wieder rausgehe und dann die Straßen leer sind und ich auf ihn treffe? Was wenn er mir überall hin folgte?

Abends ging ich tanzen. Nach dem Kurs war es bereits dunkel. Deshalb fragte ich eine Freundin, ob sie mit mir fahren möchte, aber sie wollte noch bleiben. Also fuhr ich alleine.

Doch schon an der ersten Ampel, sah ich ihn wieder auf dem Fahrrad direkt neben mir, lächelnd. Ich brach in Schweiß aus.

Nie mehr allein

Schnell schrieb ich meiner Freundin, dass sie bitte den nächsten Kurs doch nicht mitmachen sollte, um mich nach Hause zu bringen, weil mich jemand verfolgte. Die Ampel wurde grün und er fuhr weiter. Ich atmete erleichtert auf und wartete auf meine Freundin. Aber auf der anderen Straßenseite, schien er erst zu bemerken, dass ich nicht losgefahren war und blieb stehen, um auf mich zu warten.

Zum Glück kam wenige Augenblicke später meine Freundin dazu.

„Wo ist er?“, fragte sie. Ich zeigte auf die Gestalt auf der anderen Seite der Straße. „Oh mein Gott, wie krank“, flüsterte sie. „Du musst ihn anzeigen, Amenda.“
„Vor allem geht das schon seit gestern so“, sagte ich.

„Was?!?“

Ich erzählte ihr was bei meinem Einkauf passiert war und sie schüttelte geschockt den Kopf. „Wieso hast du das denn nicht vorher gesagt? Ich wäre direkt mit dir gekommen. Lass uns zusammen zur Schule fahren. Ich fahre auch immer nach dem Kurs mit dir nach Hause.“

„Danke“, sagte ich und spürte, wie ein riesengroßes Gewicht von meiner Brust fiel.

Als wir losradelten, war er bereits weg, worüber ich sehr froh war. Zuhause erzählte ich meinen Eltern von dem Stalker und wir beschlossen direkt am nächsten Tag zur Polizei zu gehen und den Mann anzuzeigen, der mich dauernd verfolgte.

Ich fing an darüber zu reden und war von da an immer mit mindestens einem Freund oder einer Freundin unterwegs. Wenn niemand Zeit hatte, brachte mich mein Vater. Das war auch gut so, denn der Mann hörte erst nach drei Wochen auf mich zu verfolgen. Aber ganz sicher bin ich mir da immer noch nicht. Vielleicht sehe ich ihn nur nicht mehr.

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Hilfetelefon für Betroffene von Stalking

Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unterstützt die Betroffenen und kann sie an die entsprechenden Beratungsangebote in der Nähe wie Opferschutzorganisationen weitervermitteln.

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