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Fußball und Pokal der Weltmeisterschaft
Foto: Fauna Saari/ unsplash.com

Nach der Fußballweltmeisterschaft ist vor der Gleichberechtigung

Die Spiele sind vorbei. Frankreich ist Weltmeister. Emily fragt sich, warum es 2018 noch nicht selbstverständlich ist, dass Frauen im Fernsehen über Fußball sprechen und spricht darüber, was die Debatte bei ihr auslöst.

Emily (18)

Claudia Neumann hat bei der Fußballweltmeisterschaft in Russland als einzige Frau im deutschsprachigen Fernsehen Fußball kommentiert. Nicht der Rede wert, könnte man meinen. Doch der anhaltende Shitstorm zeigt: Männerfußball ist Männersache! Da hat die sich ja was getraut!

Die Kritik an Neumann kam zum Teil auch vermeintlich sachlich daher. Es gehe ja gar nicht um ihr Geschlecht, ihre Stimme sei nur so unerträglich.

Ach so … Ich kann mich gar nicht entsinnen, dass sich die Twitter–Community schon einmal derart über die Stimmen von Béla Réthy oder Oliver Schmidt echauffiert hätte.

Bleibt Fußball Männersache?

Eigentlich wollte ich gar nicht ironisch werden, aber wie soll man einem solchen Verhalten anders begegnen? Noch dazu, wenn man mitbekommt, dass sich eben nicht alle über eine Stimme, sondern offen über das Geschlecht beschweren, das anscheinend alte Gewohnheiten gefährdet.

Die Sportreporterin des ZDF kommt dabei nicht gut weg. Die Beleidigungen sind dermaßen unter der Gürtellinie, dass der Sender bereits zwei Strafanzeigen stellte.

Claudia Neumann selbst hat sich für eine nüchterne Analyse der Situation entschieden. Es sei kein Problem mit ihrer Person, vielmehr handele sich bei der massiven Kritik um ein gesellschaftliches Phänomen. Damit hat sie natürlich ins Schwarze getroffen. Und bei mir die Knöpfe, die für „Wut“ und „Frustration“ zuständig sind.

Einige seien vielleicht noch nicht bereit dafür, dass Frauen öffentlich über Männerfußball reden, erklärte Neumann weiter. Sie hat wieder recht. So wie einige, einige viele, nicht bereit waren (oder sind) für die Öffnung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare. Für das Recht auf Abtreibung. Den Gleichheitsgrundsatz.

Es tut anscheinend weh, wenn einem einfach ein Privileg geraubt wird und auf einmal Homosexuelle, Frauen, kurz: alle Menschen Sachen dürfen, die lange Zeit nur bestimmten Personengruppen zugänglich waren.

Frau Neumann gibt nicht auf

Claudia Neumann wird weiter ins Mikro sprechen. Sie wird Menschen das Spiel erklären, die von Fußball weniger verstehen als sie. Also auch vielen Männern.

Es bleiben Frauen wie Bibiana Steinhaus, die in der ersten Bundesliga pfeift. Dann gibt es Angela Merkel als erste deutsche Kanzlerin oder Hillary Clinton und Kathryn Sullivan und viele andere Frauen, die auffallen, weil sie einen Weg beschreiten, der Personen weiblichen Geschlechts lange vorenthalten wurde.

Es ist wichtig, dass diese Menschen weitermachen. Hätten sich Frauen früher aus Frust unterkriegen lassen, säße heute keine Claudia Neumann vor dem Mikro.

Die Idee der Gleichberechtigung ist keine neue, aber solange sie nicht abgeschlossen ist, müssen wir alle weitermachen. Vor dem Mikro, auf dem Platz, am Rednerpult und sogar im Weltall.

Bis wir irgendwann gar nicht mehr über Frauen im Männerfußball reden müssen. Bis Leute kein Coming Out mehr brauchen und Männer sich nicht rechtfertigen müssen, wenn sie Nägel lackieren oder kleinen Kindern vorlesen, während ihre Frauen auf Metall schlagen oder eine Bank leiten.

Wir leben im 21. Jahrhundert. Ich möchte nicht länger auf Gleichberechtigung warten. Verrückt, dass wir darüber überhaupt noch reden müssen.

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