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Foto: Johanna Landscheidt

Radikal sanft für eine nice Welt

Egal, ob auf der Straße bei Demonstrationen oder bei Instagram. Aktivistin Maja Bogojević macht sich stark für ein sanftes Zusammenleben und eine gerechtere Gesellschaft.

Dylan, Kira und Lotte führten das Gespräch.

q.rage: Liebe Maja, wir würden gerne mit einer Einstiegsfrage anfangen: Mit welchen drei Begriffen würdest du dich beschreiben?

Maja Bogojević: Hm, ich würde mich als radikal, als queer-feministisch und als Macher*in bezeichnen, also mit Sternchen.

Du engagierst dich auf Instagram politisch und bist auch viel auf Demos unterwegs. Wie bist du zu der geworden, die du bist?  

Wenn man als Frau und Migrantin sozialisiert worden ist oder aus einer Arbeiterfamilie kommt, merkt man früh, dass man auf verschiedene Arten von sozialer Ungleichheit betroffen ist. Ich glaube, dass solche Leute, eben auch ich, Bewältigungsstrategien entwickeln oder eben sehr viel machen, um etwas zu erreichen.

Für mich ist es die aktivistische Arbeit. Man soll sehen, dass es soziale Ungleichheit gibt und dass sie veränderbar ist, also nicht die ganze Zeit existieren muss. Ich will nicht, dass die nächste Generation auch soziale Ungleichheit oder Queerfeindlichkeit erleben muss. Eine nice Welt sollte kreiert werden. Wie können wir Sachen so denken, dass alle mitgedacht sind? Egal, ob mit genderneutraler Sprache oder dadurch, dass man beleidigende Begriffe nicht mehr benutzt.

Und wie bist du auf deinen Instagram-Namen „yugodeinesvertrauens“ gekommen?

Ich wollte mit dem Klischee spielen. Personen aus Süd- oder Osteuropa wird oft Kriminalität zugeschrieben. Da dachte ich mir: Hey, ich bin doch voll vertrauenswürdig. Meine Eltern kommen aus Ex-Jugoslawien, weswegen wir als „Jugos“ bezeichnet werden.

In der Schulzeit manifestiert sich soziale Ungleichheit

Hat dein Engagement in der Schulzeit angefangen?

Ich war wohl schon immer so eine rebellische Person. In der Schulzeit manifestiert sich soziale Ungleichheit, so dass man merkt, okay, irgendwie können die anderen Leute sich viel mehr leisten und irgendwie ist das voll unfair und wir haben alle nicht die gleichen Möglichkeiten. Und dann habe ich mit so 14 oder 15 angefangen, mich politisch zu interessieren und politisch zu organisieren, und dann merkte ich, hey, cool, es gibt noch andere Leute, die so ticken wie ich, dann lasst uns mal etwas zusammen machen.

Wie findest du das Projekt Schule ohne Rassismus?

Ich finde es voll wichtig, dass es so etwas gibt, aber ich glaube, wenn eine Schule da mitmacht, heißt es nicht, dass es da keinen Rassismus gibt. Rassismus ist eigentlich schon immer da gewesen und ist auch immer da. Ich habe das Gefühl, dass die Schule der einzige Ort ist, wo alle zusammen kommen und das Thema noch mitbekommen können, deswegen ist es voll cool.

Hattest du ein Vorbild vor Augen, dem du nacheifern wolltest, als du anfingst, dich politisch zu engagieren?

Ich weiß es nicht so wirklich. Ich fand Rosa Luxemburg ganz cool, die ist ja auch eine Widerstandkämpferin. Inbesondere weibliche, nicht binäre und nicht weiße Vorbilder waren mir wichtig, da in der Politik auch viele Typen sind, die voll stark und gefühllos sind. Ich fand es voll cool, mit Geschlechterklischees zu brechen, gefühlvoll zu sein oder auch radikal zu sein.

Auch meine Freunde sehe ich als Vorbilder, also die Leute, die die ganze Zeit politische Arbeit machen oder queerfeministisch sind oder andere Sachen, die einfach cool sind. ich bin aber generell gegen Personenkult. Ich würde keine Person unkritisch betrachten, denn ich glaube, wir machen alle mal problematische Sachen. Wir können nicht alle Sachen, die wir internalisiert haben, aufbrechen, aber wir können so viel dagegen tun. Ich finde Frauen wie Noah Sow oder Kimberlé Crenshaw toll.

Begriffe zurückholen

Wir leben ja in einer Gesellschaft, in der man sich immer Labels gibt wie Feministin oder Veganerin oder queer. Auf dich treffen alle drei zu. Findest du es gut, dass man sich Labels gibt oder ist es nervig?

Ich glaube, dass es für einige Personen, ich sage mal „Untergruppen“, wichtig ist, einen Begriff zu finden, der nicht beleidigend ist. Queer zu sein war ja früher eine Beleidigung. Meine Eltern wurden früher zum Beispiel auch als „Kanacken“ bezeichnet und das war ja sehr lange negativ konnotiert. Das ist es zwar immer noch, aber jetzt gibt es Leute, die sich den Begriff zurückholen und sich selbst so nennen und sagen „Hey, das ist voll ermächtigend und das ist voll der empowernde Begriff“.

Du benutzt beim Posten ein spezielles Vokabular mit Wörtern, die viele nicht kennen. Ist das nicht auch eine Barriere? 

Voll. Super wichtig! Ich glaube, dass das eine Strategie von mir ist, die ich mir unterbewusst angeeignet habe. Weil ich aus einer Familie komme, in der man super simpel spricht. Meine Strategie ist es, um an der Uni zu überleben, diese Begriffe zu kennen und sie benutzen. Außerdem ist es wichtig, Sachen genau zu benennen, weil schon voll viele Leute dazu theoretische Bücher geschrieben haben. Deswegen ermutige ich auch immer dazu, bei unklaren Begriffen einfach nachzufragen.

Viele Jugendliche haben kein Umfeld, wo man diese Fragen stellen kann oder werden von ihren Eltern in ihrem Engagement nicht unterstützt. Was würdest du ihnen mit auf den Weg geben?

Ich kenne das. Meine eigenen Eltern stehen gar nicht unbedingt hinter dem, was ich mache. Doch wenn ich mich davon beeinflussen lassen würde, nur, um keine Probleme zu machen, wäre das ja auch nicht in Ordnung. Ich will, dass es eine soziale Veränderung gibt und das ist Motivation genug, um weiterzumachen.

Es hilft, sich in Gruppen zusammen zu finden, zum Beispiel in Lesekreisen, und da trifft man schnell Leute, die ähnliche Interessen haben. Es ist sehr wichtig, einen Kreis zu haben, der einem Sicherheit gibt.

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