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(c) dpa

Rasiert oder unrasiert? Was für eine Frage!

Die Einwanderinnen aus den Mittelmeerländern haben in Deutschland den Umgang mit Körperhaaren revolutioniert. Aber wer redet darüber?

Geraldine (20) für Q-rage!

Um die wirklich wichtigen Dinge kümmert sich mal wieder keiner. Kein Wissenschaftler. Kein Migrationsforscher. Sonst auch keiner. Nur die Q-rage!-Redaktion fragt: Wie haben sich eigentlich die mit all den Zuwanderern eingereisten Haare auf die deutsche Mehrheitsfrisur ausgewirkt, am Kopf und an den Beinen? Gibt es eine allgemeine Vorstellung von perfekt gepflegten Haaren? Warum wird auf dem einen Schulhof gelästert, wenn eine Schülerin sich nicht gründlich die Beine rasiert, und auf dem anderen nicht? Wachsen sich eigentlich alle Frauen aus muslimischen Ländern?

Eine Frage der Haare

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts rasierten sich die deutschen Frauen in der Regel nicht am Körper. An den Beinen und unter den Achseln ließen sie der Natur freien Lauf. Ein bisschen änderte sich das nach 1945 mit der Ankunft der Alliierten – vor allem denen aus Frankreich und den USA. Die nämlich bevorzugten unbehaarte Frauenbeine. Und das war Grund genug für die ersten deutschen Frauen, sich ihrem Geschmack anzupassen. In den 60er-Jahren wunderten sich die überwiegend blonden einheimischen Frauen über die dunkelhaarigen Gastarbeiterinnen aus den Mittelmeerländern. Diese legten nämlich sehr viel Wert darauf, unbehaart zu sein – ganz so wie die Schauspielerinnen aus den amerikanischen, französischen und italienischen Filmen.

Rasieren? Das war überhaupt kein Thema. Wir sind so aufgewachsen – ohne Rasur.

Bis zu den 80er-Jahren hatte sich daran nicht viel geändert. Die 55-jährige türkeistämmige Lehrerin Emine erinnert sich: „Als ich 1980 nach West-Berlin kam, machten sich meine blonden Freundinnen lustig über uns Frauen aus der Türkei, weil wir uns so viel mit dem Thema Haare am Kopf und anderswo beschäftigten. Das ärgerte mich wirklich. Sie selbst hatten ja auch kaum Haare am Körper – und leicht reden. Ungefragt griffen sie mir in meine dichten, langen Haare und scherzten, ich solle ein paar abgeben, damit sie auch mehr auf dem Kopf hätten. Dabei hatten sie gar keine Ahnung, wie viel Arbeit all die Haare machen.“

Ost und West

Auch in der DDR ließ man Körperhaare ungehindert sprießen. Die Biologielehrerin Theresa, 45 Jahre, aus Berlin (Ost): „Rasieren? Das war überhaupt kein Thema. Wir sind so aufgewachsen – ohne Rasur. Mit der Wende schwappte das dann auch zu uns rüber. Ab da wurde ohne Diskussion rasiert.“

Verbindliche Anleitungen für die modischste Frisur des Jahres und zur einzig richtigen Art, sich die Beine zu enthaaren, machen keinen Sinn. Wo und wie Frauen gerne Haare haben wollen, und wo auf keinen Fall, das ist sehr unterschiedlich im Land der Vielfalt. Die Haare sind so verschieden wie die Menschen, die sie von Kopf bis Fuß an sich haben. Und sie müssen unterschiedlich behandelt werden, damit Frau mit ihnen glücklich ist. Aber wie? Die richtige Antwort auf diese Frage, das ist eine Wissenschaft für sich.

Erstveröffentlichung: Q-rage! 2013/14

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