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(c) picture alliance / dieKLEINERT.de

Darf Satire eigentlich alles?

Die Frage nach der Grenze der Meinungsfreiheit kann über Leben und Tod entscheiden. In einem Pro und Contra setzt sich die Q-rage!-Redaktion mit dem heiklen Thema Satire auseinander.

Pro: Lara (16) und Amir (18) Contra: Gina (16) und Anne-Mareike (24) für Q-rage!

Das Verhältnis von Religion und Satire ist seit jeher vermintes Gelände. Was für den einen lustig ist, hält der andere für unerträgliche Gotteslästerung.
Und: Unter dem Deckmantel der Satire, des Witzes und der angeblichen Meinungsfreiheit werden auch Rassismus und Antisemitismus propagiert. Auch die Q-rage!-Redaktion diskutierte die Fragen, was Satire dürfen soll, wo Kunst endet und Volksverhetzung beginnt. In einem Pro und Contra sind wichtige Argumente nachzulesen.

Pro

Die Meinungsfreiheit gesteht den Medien als der vierten Gewalt im Staat viele Rechte zu, um einen Diskurs über Missstände im Land zu starten. Zeitung, Radio, Internet und Fernsehen erreichen so gut wie jeden Mitbürger und eröffnen der Gesellschaft die Möglichkeit, sich über vielerlei Sachverhalte zu informieren. Dadurch kann sich jeder eine individuelle Meinung bilden. Wenn die Medien jedoch bei ihrer Tätigkeit durch persönliche Moral- oder Wertvorstellungen eingeschränkt werden, stellt sich die Frage, durch wen und wie uns dann heikle Themen näher gebracht werden sollen.

Jeder sollte das Recht haben, alles erfahren und alles sagen zu dürfen

Die Freiheit der Berichterstattung erlaubt keine Zensur. Um diesen Verfassungsgrundsatz umsetzen zu können, dürfen sich die Bürgerinnen und Bürger gerade in Bezug auf umstrittene Themen von keiner Interessensgruppe den Mund verbieten lassen. Teil dieser Meinungsfreiheit ist die freie Ausübung der individuellen Religion. Wer sich nun auf seine Religionsfreiheit beruft und diese verteidigen will, darf also nicht gegen die uneingeschränkte Meinungsfreiheit vorgehen. Kurzum: Jede Religion sollte und muss Kritik in Form von Satire tolerieren, denn auch kritische Bewertungen einer Religion sind Teil der Meinungsfreiheit. Diese sensible Wechselwirkung kann allerdings nicht funktionieren, wenn einzelne Religionen rechtlich oder gewaltsam gegen Satiriker vorgehen, um so kritische Äußerungen zu umgehen. Diese beanspruchte Sonderstellung wird in einer aufgeklärten Gesellschaft zu Recht als unangebrachte und intolerante Reaktion aufgefasst. Wer von der Presse eine vielfältige Berichterstattung erwartet, der muss dafür sorgen, dass die Meinungsfreiheit in keiner Weise eingeschränkt werden darf. Sobald ein Verbot oder eine Richtlinie für Satire oder zu Information und Berichterstattung in Kraft tritt, werden Rechte der Persönlichkeit über das Interesse der Gesellschaft nach pluralistischer Informierung gestellt.

Contra

Wir sind für Meinungsfreiheit. Jeder sollte das Recht haben, alles zu erfahren und alles zu sagen. Jedoch sind wir davon überzeugt, dass Satire und Meinungsfreiheit Grenzen haben. Damit meinen wir nicht die Gesetzgebung, sondern ethische und moralische Grenzen. Zum Beispiel ist es in vielen Religionen verboten, Abbildungen von Gott zu zeigen. In manchen Religionen wird es auch nicht gerne gesehen, wenn Heilige bildlich dargestellt werden. Dies tun satirische Karikaturisten allerdings oft. Sie verletzen vorsätzlich die Gefühle Gläubiger und das ist nicht in Ordnung.

Vorsätzlich die Gefühle Gläubiger zu verletzen ist nicht in Ordnung

Die Vergangenheit hat gezeigt, was passieren kann, wenn man religiös provozierende Karikaturen veröffentlicht. Kein Journalist oder Karikaturist kann sich mehr hinter Unwissenheit verstecken. Sie sind zwar nicht für die Taten verantwortlich, aber sie können ihre Hände auch nicht in Unschuld waschen. Besonders problematisch ist das Verhältnis von Satire und Islam. Christen und Judentum haben sich inzwischen damit arrangiert, dass über ihre Religion, über Gott und die Propheten Witze gemacht werden. Viele Muslime scheinen das noch nicht zu können. Man sollte ihnen die Chance geben, sich weiterzuentwickeln, ohne sie unnötig zu provozieren. Satire ist immer eine Gratwanderung zwischen zugespitzten Informationen und Respektlosigkeit gegenüber Menschen und Religionen. Bei aller Liebe zur Meinungsfreiheit und Informationspflicht gilt auch: Jeder Mensch, jede Religion und jedes Land hat es verdient, dass ihm Respekt entgegengebracht wird. Denn die Würde des Menschen ist unantastbar!
Aus diesem Grund sollte man sehr genau abwägen, inwieweit solche Zeichnungen noch gedruckt werden sollten. Denn allen ist bewusst, was für Folgen es haben kann. Wirklich niemand, der mit Nachrichten und Presse zu tun hat, kann behaupten, dass er nicht weiß, was passiert ist und passieren kann.

Erstveröffenltichung: Q-rage! 2015/16 

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