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Foto: Anne Heider

Ohne Freiheit kann man nicht glücklich sein

In ganz Deutschland versuchen Jugendliche aus Kriegs- und Krisenländern oder aus ärmeren osteuropäischen Ländern Fuß zu fassen. Wie und wo sehen sie ihre Zukunft?

Zusammengetragen von: Deliah (16), Fabio (16), Hakki (18), Jonas (18), Julia K. (18), Miriam (16), Sarah (19) für Q-rage!

Meine Familie und ich sind am 21. Juli 2015 aus dem Libanon mit dem Flugzeug nach Bremen gekommen. Zur Zeit gehe ich in eine Willkommensklasse, um deutsch zu lernen. Mein Traum ist, in Großbritannien zu leben und an einer Universität zu studieren. Falls das nicht klappt, möchte ich dort erst einmal arbeiten. Was ich werden will, weiß ich noch nicht.

Sulin, 16, aus Syrien, besucht eine Willkommensklasse am Schulzentrum Walle in Bremen

Ich bin am 19. Mai 2015 mit meiner Familie nach Deutschland geflüchtet. Wir sind kurdischer Abstammung. Meine Tante wohnt schon lange hier. Mein Wunsch ist, Medizin zu studieren – am liebsten in Amerika. Ich mag alles an dem Land: die Kultur, die Sprache, die Menschen. Nach Syrien zurück will ich auf keinen Fall. Hier können meine Familie und ich in Freiheit und Sicherheit leben. Auch werden Frauen in Syrien von vielen Männern nicht auf Augenhöhe betrachtet. Es gibt viele sexuelle Belästigungen. Natürlich kann man das auch nicht verallgemeinern. Nicht alle sind so.

Diana, 17, aus Syrien, besucht eine Willkommensklasse am Schulzentrum Walle in Bremen

Zwei Jahre bin ich nach Ausbruch des Krieges noch in Damaskus geblieben. Ich habe viele Freunde verloren. Jeden Freitag habe ich gegen das Assad-Regime demonstriert; jeden Freitag kamen Soldaten und haben geschossen. Ich habe sogar miterlebt, dass aus einem Helikopter ein Krankenhaus beschossen wurde. Es war schrecklich. Also habe ich mich auf den Weg gemacht: Von der Türkei mit einem Boot nach Griechenland, dann zu Fuß durch Mazedonien. An der Grenze zu Serbien hat uns die Polizei zurück nach Mazedonien geschickt. Am Tag konnten wir uns nur verstecken; in der Nacht sind wir wieder los. Von Ungarn bin ich mit dem Zug nach Braunschweig gekommen. Das war vor zwei Jahren. In Syrien musste ich wegen dem Krieg mit meinem Informatik-Studium aufhören. Jetzt würde ich gern weiterstudieren. Das darf ich aber noch nicht. Zurzeit mache ich eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und habe Deutschunterricht. Ich spüre und verstehe, dass Deutschland den Flüchtlingen nicht immer weiter Willkommen sagen kann. Jedes Land hat seine Grenze. Das Problem ist, dass die Menschen in Syrien keine andere Möglichkeit haben, als zu fliehen. Ich kann da keine Position beziehen. Ich kann mich nicht auf  eine Seite stellen. Für mich ist das Entscheidende: Wenn man keine Freiheit hat, kann man nicht denken, nichts gut machen, und hat immer Angst. Man kann nicht glücklich sein.

Moustafa, 24, aus Syrien, Damaskus, macht in Bad Zwischenahn eine Ausbildung und besucht eine Berufsschule

Wenn ich groß bin, möchte ich  in Deutschland Polizist werden

Das erste, woran ich mich erinnere, waren die vielen Spielplätze. Meinem Cousin Flavius – der mit mir gekommen ist – sind sofort die vielen Fußbälle aufgefallen. 2012 sind wir wegen besserer Aussichten nach Deutschland gekommen. Jetzt besuche ich als Rumäne mit vielen Flüchtlingen eine Willkommensklasse. Dort habe ich mich sofort sehr wohl gefühlt; ich wurde sehr gut von den anderen aufgenommen. Mir ist aufgefallen, dass sehr viele Leute denken, dass die Männer bei uns die Frauen schlecht behandeln. In Rumänien ist das eben zumindest in der älteren Generation kulturell noch so. Meine Familie vertritt diese Ansicht aber nicht. Ich möchte in Deutschland bleiben. Mein größter Traum ist, Tänzerin zu werden.

Beatrice, 12, aus Rumänien, besucht eine Willkommensklasse an der Gesamtschule Haspe, NRW

Ich komme aus Afghanistan, habe aber bis zum letzten Jahr im Iran gelebt. Da hat es mir auch gut gefallen, vor allem die Schule und dass wir eine eigene Wohnung hatten. Jetzt wohnen in meinem Camp sehr viele Familien aus Afghanistan, Syrien, dem Iran und anderen Ländern.  Aber die meisten dort verstehen mich wenigstens – Deutsch ist eine sehr schwere Sprache. Doch ich gehe schon in die Schule, um sie zu lernen. Wenn ich groß bin, möchte ich in Deutschland Polizist werden.

Ali, 11, aus Afghanistan, besucht eine Schule in Würzburg und macht dort bei einem Spieleprojekt mit

Als wir vor dem Krieg fliehen mussten, sind wir nach Deutschland gekommen. Mein Vater war der Meinung, dass es hier eine gute Bildung für mich und meinen Bruder gibt. Ihm war wichtig, dass wir eine gute Zukunft haben, in der wir frei entscheiden können, welchen Beruf wir ausüben oder wo wir leben. Diesen Traum können wir am besten in Deutschland verwirklichen. An meiner neuen Schule sind alle sehr nett zu mir. Doch manchmal finde ich es komisch, dass so viele Leute wissen, was ich mache und wie es mir geht. Ich stehe nicht so gern im Mittelpunkt. Aber ich weiß auch, dass die Menschen mir helfen möchten und dafür bin ich sehr dankbar. Ob ich zukünftig in Deutschland oder Syrien leben werde, weiß ich nicht.  Aber ich denke, dass es mir sehr gut gehen wird. Ich werde glücklich sein und über mein Leben frei entscheiden können.

May, 17, aus Syrien, besucht das Gymnasium Nepomucenum in Rietberg, NRW

Erstveröffentlichung: Q-rage! 2016/17

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