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(c) dpa

Cybermobbing ist mehr als beleidigen

Schülerinnen und Schüler haben genug von der Hetze im Netz. Sie entwerfen ein Präventionskonzept gegen Hate Speech für die Jüngeren und führen selbst Workshops durch.

Jasmin (17) für Q-rage!

Nike Kirnbauer steht vor der Klasse 6a und fragt, was Cybermobbing ist. Der elfjährige Nikolas antwortet: „Das ist halt so beleidigen.“ Auch seine Klassenkameraden versuchen mit vagen Definitionen Nikes Frage zu beantworten. Die 17-Jährige Abiturientin ist eine von vier so genannten Mediencoaches am Valentin-Heider-Gymnasium in Lindau, Bayern. Sie führen für die sechsten Klassen an ihrer Schule Workshops gegen Cybermobbing durch. Denn häufig wissen die Jüngeren nicht, wie schnell jeder selbst Opfer von Internet-Attacken werden kann.

Vier Stunden dauert so ein Präventionsworkshop. In dieser Zeit versuchen Nike und ihre drei Mitstreiter anhand von Filmen, Gruppenarbeiten oder Spielen, die Sechstklässler für die Gefahren des Cybermobbings zu sensibilisieren. Die Schüler sollen sich beispielsweise anhand eines Gedichts in die Rolle eines Cybermobbing-Opfers hineinversetzen. In der Klassenrunde wird dann über die Gefühle der Schülerin gesprochen, die das Gedicht verfasst hat. Die Sechstklässler sollen lernen, zwischen den verschiedenen Rollen beim Cybermobbing zu unterscheiden. Das ist besonders wichtig, damit den Schülern deutlich wird, welche wichtige Funktion zum Beispiel den Mitläufern zukommt. „Von diesen hängt es ab, ob sie den Täter unterstützen oder dem Opfer helfen“, erklärt Mediencoach Sinje Obermann.

Digitale Streitschlichter?

Auf dem Lindauer Valentin-Heider- Gymnasium sei es immer wieder zu Fällen von Cybermobbing gekommen, weiß die Lehrerin Marita Ludwig zu berichten. Viele Schüler aus den jüngeren Klassen gingen zu den Streitschlichtern, wenn sich solche Fälle ereigneten. In sozialen Netzwerken wie Whatsapp oder Facebook würden oft Gruppen gegründet, die gezielt eine Person ausschließen würden, um über sie zu lästern. Doch solche Cybermobbingfälle zu lösen, das ginge über die Kompetenz der Streitschlichter hinaus, sagt Ludwig. Deshalb haben sich letztes Jahr 20 Schüler zusammengetan und ein Präventionskonzept für die Jüngeren entworfen. Sie möchten diese ganz gezielt aufklären. Im Februar 2016 hat der erste Durchlauf für die sechsten Klassen stattgefunden.

„Ich weiß nicht, ob wir nach den Workshops direkte Erfolge erkennen können. Ob eine tatsächliche Sensibilisierung erzielt wurde, das können wir nur erahnen,“ gibt sich Lehrerin Ludwig zurückhaltend. Doch als die Mediencoaches am Ende der vier Stunden die Klasse 6a fragen, wie ihnen der Workshop gefallen hat, gehen alle Daumen blitzschnell nach oben.

In einer Feedback-Runde berichten die Schülerinnen und Schüler stolz von ihren hinzugewonnenen Erfahrungen und Erkenntnissen. Für die Mediencoaches scheint sich der Einsatz gelohnt zu haben. Am Schluss kann auch der elfjährige Nikolaus etwas konkreter erklären, was Cybermobbing ist: „Da gibt es einen oder mehrere Täter, ein Opfer und dann noch die Mitläufer. Die Mitläufer machen alles sogar noch schlimmer. Auch wenn sie nur zuschauen. Cybermobbing ist mehr als beleidigen. Es passiert über das Internet und geht über einen längeren Zeitraum.“

Erstveröffentlichung: Q-rage! 2016/17

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