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SCHARWEL picture alliance / dieKLEINERT.de

Sexismus – Wer darf mitreden?

#MeToo hat der Sexismus-Debatte viel digitale Aufmerksamkeit gebracht. Was machen wir daraus und wer darf mitmachen? Q-rage! online Autorin Emily (17) schreibt darüber.

Emily P. (17) für Q-rage! online

Vorwürfe von Schauspielerinnen und Mitarbeiterinnen gegen den US-amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein brachten auch außerhalb Hollywoods eine Sexismus-Debatte ins Rollen. Die einen beschäftigten sich zum ersten Mal mit dem Phänomen sexuelle Belästigung, die anderen fanden Möglichkeiten, sich über ihre Erfahrungen auszutauschen. Das Hashtag #metoo wurde zum Symbol der Debatte, die in verschiedenen Verästelungen weitergeführt wird. Wann zählt eine Handlung als sexuelle Belästigung und gehört Alltagssexismus dazu? Wo liegen die Grenzen?

Eine nötige Debatte?

Ich frage mich aber auch, warum sich erst jetzt so viele Frauen äußern. Brauchte es erst einen Hashtag? Wieso prangern Politikerinnen ausgerechnet jetzt den Sexismus im politischen Alltag an und wollen das Problem mit mehr Frauen in der Führungsebene angehen? War das Problem vor dem Weinstein-Skandal nicht da?

Ja, wir brauchen den öffentlichen Diskurs. Das zeigen die jüngsten Vorkommnisse eindeutig. Hunderttausende berichten unter dem Hashtag #metoo über ihre Erfahrungen. Ein anzüglicher Blick vom Busfahrer, ein dummer Spruch zum Ausschnitt des Shirts vom Kollegen, ein ungewollter Grabscher an den Hintern.

Alles Dinge, die für Frauen zum Alltag gehören, obwohl sie gern darauf verzichten würden. Alles Dinge, über die nicht gern geredet wird. Sexismus ist ein sensibles Thema. Es verunsichert viele. Erstaunlicherweise vor allem Männer.

Darf ich meiner Kollegin jetzt nicht einmal mehr sagen, dass ihr die neue Frisur steht?

Ich habe darüber nachgedacht und mir ist klar geworden, dass ich in eine sexistische Gesellschaft hineingewachsen bin. Manchmal fällt es mir gar nicht mehr auf, wenn mir Sexismus im Alltag begegnet. Man kennt es halt nicht anders. Und wie oft habe ich mich nicht selbst schon sexistisch geäußert?

Die Macht der Sprache

„Pussy“ ist ein schönes Beispiel. Das geht einem schnell von den Lippen, weil es sich ganz harmlos anhört. Es soll aber Schwäche und Angst meinen. Und das Wort hat seinen Ursprung in der Anatomie. Das weibliche Geschlecht. Wieso beleidige ich (und das auch noch als Frau) jemanden, den ich gerade für einen „Schisser“ halte, als Vagina? Das ist der Teil, bei dem man sich Achtsamkeit antrainieren muss. Über die Bedeutung hinter dem Gesagten nachdenken. Es fängt mit der Sprache an und unserer Kommunikation. So geben sich Menschen ihre gemeinsame Beziehungsebene zu verstehen und wenn diese auf Sexismus beruht, kann das nie gut ausgehen.

Es geht darum, ein bisschen vorsichtiger zu sein. Mich nervt es selbst, wenn alles auf die Goldwaage gelegt wird, aber wo wären wir ohne sie? Solange ein Problem besteht, muss man dagegen ankämpfen und dennoch würde ich zweimal überlegen, ob ich die Konfrontation suche, wenn ich ein Kompliment für meine Haare bekomme.

In dem  Artikel „Der verunsicherte Mann“ (Zeit Online), hadert der Journalist Tomasz Kurianowicz mit sich als Mann in der sensiblen Sexismus-Debatte. Eine Freundin hätte ihm gesagt, schon die Idee, als Mann über Sexismus zu schreiben, sei Teil des Problems. Er hätte nicht das Recht, sich zu äußern, aufgrund naturgemäß fehlender Fähigkeit, die Erfahrungen, die das andere Geschlecht macht, nachzuempfinden. Das ist in meinen Augen ein großer Fehler! Ich empfand die Aussage der Frau als dermaßen unangebracht und kontraproduktiv, dass es mich wütend machte.

Natürlich kann ein Mann nicht zu einhundert Prozent nachvollziehen, wie sich eine Frau fühlt, wenn sie repressiv und sexistisch behandelt wird. Männern passiert so etwas seltener, denn sie sind meistens in der dominanteren Lage. Wenn aber ein Mann wie dieser arme Journalist, der so sehr an sich zweifelt, sich in die Lage der Frau hineinzuversetzen versucht, um das Problem nachzuvollziehen, dann ist daran nichts, gar nichts falsch!

Männer, die verstehen wollen, aus dem Diskurs herauszuhalten, ist auch Sexismus.

Es geht letzten Endes um einen sensiblen, respektvollen Umgang miteinander, unabhängig vom Geschlecht. Wie sagt man so schön: Der Ton macht die Musik.

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Lesermeinungen

  1. 03.11.2017

    Guten Tag,

    Selten einen so reflektierten Artikel zu dem Thema gelesen. Einen Artikel, der nicht pauschalisiert, nicht vorverurteilt, sondern im Gegenzug zur Achtsamkeit, zur Selbstreflektion und zum Diskurs auffordert.
    Ich möchte mich bedanken dafür.
    Und eine Frage beantworten: Warum so viele erst jetzt reden. Weil es speziell für Überlebende schwerer sexualisierter und sexueller Gewalt Überwindung und sehr viel Kraft kostet, wenn sie niemanden hinter sich wissen. In einem toxischen Umfeld, das eher noch die Täter*innen schützt bzw. die Erfahrung des Opfers nicht anerkennt und sogar noch herunterspielt bzw. dem Opfer die Schuld zuweist, wird kaum jemand den Mund aufmachen.

    Beste Grüße,
    Carmen Keßler

    • Emily Patzer
      03.11.2017

      Liebe Frau Keßler,

      vielen Dank für dieses Feedback!
      An die Frauen, die den Mut brauchen und die aus der laufenden Debatte die Kraft ziehen, sich zu äußern, habe ich auch gedacht. Genau deshalb sage ich Ja zum öffentlichen Diskurs. Frauen aber, die in einer politischen Position stehen und in der Lage sind, für andere Frauen zu sprechen (Beispiel Nahles und Barley), sollten diese Position nutzen und dies sofort. Was den Frauen persönlich passiert ist, kann und darf ich nicht beurteilen, wünschte mir aber, dass sie sich früher geäußert hätten zum Thema Sexismus im politischen Alltag.

      Liebe Grüße
      Emily Patzer

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