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(c) picture alliance/Geisler-Fotopress

Sexualkunde und Vielfalt

Im Schulunterricht über Sex zu sprechen, das klingt nicht besonders sexy. Zum Problem wird es aber erst, wenn die sexuelle Vielfalt der Menschen dabei kein Thema ist.

Lucia (18), Fabio (16) für Q-rage!

„Ey, das ist ja voll schwul, Alter!“ Wenn der sechzehnjährige Liam solche Äußerungen hört, wird er traurig. Aber auch wütend darauf, dass die Menschen nicht ein bisschen weiter denken können. In seiner Klasse an einem Gymnasium in Würzburg ist er noch nicht wirklich geoutet. Ein paar Mitschüler – vor allem Schülerinnen – wissen aber bereits um seine Homosexualität. Auch Jana, Schülerin in Nordbayern, zögert, sich offen zu ihrer Bisexualität zu bekennen.

Ich habe Angst dass mich dann jemand anders behandelt.

Eigentlich sollte man doch meinen, dass im Schulunterricht nicht nur über Heterosexualität, sondern auch über Homo-, Bi- und Transsexualität – kurz LGBTI – aufgeklärt wird und so Vorurteile längst beseitigt wurden. Die Realität sieht leider anders aus. Der achtzehnjährige David meint: „Es ist immer noch ein Risiko, offen zu bekennen, dass man anders ist als die Heteronorm.“ Schule könnte viel zum Abbau von Vorurteilen beitragen. Aber unsere Recherchen in Bayern ergaben, dass an vielen Schulen im Sexualunterricht schwerpunktmäßig über geschützten Geschlechtsverkehr und Fortpflanzung gesprochen wird.

Andere, ebenso wichtige Themen, werden kaum besprochen oder fallen ganz unter den Tisch. Auch der zwanzigjährige Richie, der vor zwei Jahren sein Abitur ablegte, hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Abfinden wollte er sich damit nicht.

Gemeinsam mit Mitschüler*innen hat er an seiner Courage-Schule im niederbayerischen Landshut einen Workshop zum Thema Homophobie und Sexismus entwickelt. Der Workshop wurde an fünf verschiedenen bayerischen Schulen, ab der achten Klasse, mit 500 Schüler*innen durchgeführt. Auch an diesen Schulen zeigte sich, so Richie, dass die verschiedenen Sexualitäten im Unterricht – wenn überhaupt – dann nur auf Nachfrage der Schüler*innen besprochen wurden. Dies führe zu einer großen Unwissenheit. Infolgedessen werde Homosexualität, Bi- und Transsexualität von manchen als unnatürlich angesehen oder diffamiert.

Liam ist in seinem Outing übrigens inzwischen ein Stück weitergekommen. Er berichtet: „Zunächst habe ich mich einem Freund anvertraut, dann meinen Eltern. Die haben mich umarmt. Mein Bruder stand gerade auf der Treppe und meinte nur, er habe kein Problem damit und ist weitergegangen.“

 

Erstveröffentlichung: Q-rage! 2016/17

 

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