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Vogel an der Nordsee mit Müll im Schnabel
picture alliance / blickwinkel

Meer aus Plastik

Auch der Schutz unserer Umwelt ist vielen Aktiven im Courage-Netzwerk wichtig. Unsere Autorin Marie (18) hat sich nach einem Spaziergang im Watt gefragt, wie Plastik unsere Umwelt bedroht und was wir dagegen unternehmen können.

Mara (18) für Q-rage! online

Wir befinden uns auf einer Hallig im Wattenmeer. Dass tote Vögel herumliegen, ist hier normal. Es ist vollkommen natürlich, denn hier verenden alte und kranke Vögel und diese Hallig ist einer der Hauptbrutplätze für Brandseeschwalben, aber auch Austernfischer, Rotschenkel und verschiedene Möwenarten brüten hier, jährlich über 10.000 verschiedene See- und Küstenvögel.

Ein paar Biologiestudenten, mit denen ich hier bin, kommen auf die Idee, einen der toten Vögel aufzuschneiden. Welcher Art er war, weiß ich nicht mehr. Ich verpasse leider das Aufschneiden, und komme erst später hinzu. Ich erinnere mich an den durchdringenden Gestank nach Verwesung und faulem Fisch. Woran ich mich auch erinnere, ist der Mageninhalt des Vogels. Plastikteile. Auch Flaschendeckel hat er verschluckt, vielleicht waren sie seine Henkersmahlzeit?

Norderoog liegt etwa 25 km vom Festland entfernt und ist den Großteil des Jahres unbewohnt. Nur im Sommer lebt ein Vogelwart oder eine Vogelwärterin dort, und dann gibt es noch die Workcamps. Trotzdem haben wir bei Ebbe viel Müll aus dem Watt geholt. Plastikspielzeug, Plastikflaschen, Reste von Fischernetzen, eine Vorratskiste, Bojen, ein Wasserball.

Dass Plastik und Umweltverschmutzung ein Problem sind, ist nicht neu. Jedoch mit eigenen Augen die Auswirkungen zu sehen, macht das Thema noch präsenter, noch realer, noch dringender für mich. Allein auf dem Grunde der Nordsee, also fast direkt vor meiner Haustür, befinden sich schätzungsweise 600.000 Kubikmeter Müll. Davon sind etwa 75% aus Plastik.

Warum ist es wichtig, dem Plastik-Müll entgegegenzuwirken?

Tiere, vor allem Vögel, verwechseln kleinere Plastikteile, beispielsweise Feuerzeuge oder Flaschendeckel, mit Nahrung, nehmen diese dann zu sich oder verfüttern sie an ihre Küken. Sie können das Plastik allerdings nicht verdauen und verhungern trotz voller Mägen oder sie sterben an den inneren Verletzungen. Bei Schildkröten bietet sich ein ähnliches Bild. Sie verwechseln Plastiktüten mit Quallen. Würde es ausreichen, den Plastikmüll aus dem Meer zu fischen? Nein.

Denn mit der Zeit zersetzt sich das Plastik zu sogenanntem Mikroplastik. Es kommt unter anderem über Kläranlagen in die Gewässer. Die Filter der Kläranlagen können es genauso wenig aus dem Wasser herausfiltern, genau wie die Wale oder Muscheln, welche eigentlich Krill/ Nährstoffe aus dem Meer holen.

Wenn Fische oder Muscheln das Plastik aufnehmen, bleibt es in ihnen, auch wenn sie auf dem Teller landen. Das Plastik gelangt so auch  in unsere Nahrung.

Trotzdem verwenden wir Plastik in vielen Lebensbereichen. Beispielsweise greifen viele Verbraucher zu abgefülltem Wasser aus Plastikflaschen, statt Leitungswasser zu trinken. Nicht überall ist Leitungswasser trinkbar. In einigen Ländern sind viel zu viele Schadstoffe oder Krankheitserreger im Leitungswasser, in anderen gibt es kaum Leitungen. Da sind Plastikflaschen die einzige Möglichkeit, an Trinkwasser zu kommen. In Deutschland lässt sich Leitungswasser aber bedenkenlos trinken.

Auch der Kostenfaktor spielt eine Rolle. Plastik ist sehr viel günstiger als zum Beispiel Glas, und Papier kommt als Verpackungsstoff für die meisten flüssigen Produkte wie Getränke, Waschmittel oder Soßen nicht in Frage. Weitere Nachteile von Glas sind zum Beispiel, dass es schwerer ist als Plastik, außerdem ist es zerbrechlich. Dies kann, gerade bei kleinen Kindern, gefährlich werden, und natürlich ist es in den meisten Fällen sehr unangenehm, wenn die Tasche voller Wasser oder Saft ist.

Auch im Bereich der Medizin wäre der Verzicht auf Plastik nicht einfach. Infusionsbeutel, Spritzen, sterile Verpackungen – plastikfreie Alternativen hierfür zu finden ist eine Herausforderung.

Auch ein Blick in den Alltag der Menschen zeigt, wie weit verbreitet Plastik ist Computer, Handys, Kopfhörer, Spielkonsolen, Waschmaschinen, Autos. Alles technische Neuerungen, Dinge, ohne die der Großteil der Menschheit nicht mehr leben möchte. Alles Dinge, die Plastik enthalten und bei denen Plastik scheinbar unverzichtbar ist.

Wie können wir auf Plastik verzichten?

Vielleicht, in dem wir unser eigenes Konsumverhalten hinterfragen. Ist es wirklich nötig, Großverpackungen mit mehreren einzeln abgepackten Portionen zu kaufen, sich für eine einzige Paprika eine dieser dünnen Plastiktüten aus der Gemüseabteilung zu nehmen? Ist es wirklich nötig, so viele verschiedene Hygiene- und Kosmetikartikel zu haben, oder kaufen wir nicht viele einfach nur, ohne sie wirklich zu verwenden? Müssen wir uns jeden Morgen einen Kaffee to go beim Bäcker kaufen, oder könnten wir uns nicht einen Thermobecher kaufen und diesen immer wieder verwenden?

Auch ein großer Punkt, der in die Reduktion von Plastikmüll einfließt, ist das Recycling. Deutschland ist sowohl dafür als auch aufgrund der Mülltrennung generell ein gutes Beispiel. Wenn jeder tut, was ihm möglich ist, kommen wir kleine Schritte weiter.

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