icon-arrowicon-backicon-closeicon-facebookicon-google-plusicon-googleplusicon-hamburger-mergedicon-hamburgericon-inicon-instagramicon-linkedinicon-mailicon-pinteresticon-rssicon-searchicon-shareicon-snapchaticon-twitterZeichenfläche 28icon-xingicon-youtube
Foto: picture alliance / Westend61 | William Perugini

Romane, die Mut machen

Drei Jugendbücher, ein Thema: Mobbing. Schüler*innen der Courage-Schule Robert-Wetzlar-Berufskolleg Bonn empfehlen Literatur, die Mobbing besser zu durchschauen hilft.


Verstellen, um dazuzugehören

Celina (22)

Die zwei Protagonisten Niko und Sera besuchen dieselbe Klasse einer weiterführenden Schule, mehr Gemeinsamkeiten gibt es nicht. Während Sera zu den beliebten Mädchen gehört, ist Niko das Mobbingopfer der Klasse. Doch im Laufe der Handlung erfährt Sera am eigenen Leib, was es heißt, ausgeschlossen zu werden. Dies bringt die beiden Jugendlichen zueinander und sie erleben die wahre Bedeutung von Freundschaft.

„Tanz der Tiefseequalle“ erzählt nicht nur einfach von Mobbing, sondern bietet einen Einblick in die verschiedenen, komplexen Rollen. Denn es gibt nicht nur Täter oder Opfer. Auch wenn Sera nicht selbst ihren Mitschüler schikaniert, lacht sie doch mit, wenn er gedemütigt wird. Ihr selbst fällt auf, wie sehr sie sich selbst verstellt, nur um dazuzugehören. Niko dagegen leidet seit Jahren unter dem Mobbing und versucht damit umzugehen, indem er möglichst keine Angriffsfläche bietet.

Die Kapitel werden im Wechsel aus Seras und Nikos Sicht erzählt. Der Unterschied wird auch in der Sprache deutlich. Sera ist kein Mensch der vielen Worte, ihre Sätze sind kurz und prägnant. Niko dagegen gibt in langen Sätzen mehr Details preis, er erzählt von seinem Leiden mit einem trockenen Humor, der den Leser zum Lächeln bringt, aber dem Thema Mobbing auch einiges von seiner Dramatik nimmt.

„Tanz der Tiefseequalle“ ist ein schöner Jugendroman mit einer für Jugendliche ansprechenden Sprache, der sich schnell und leicht lesen lässt und trotz seiner ernsten Handlung zum Schmunzeln, aber auch zur Selbstreflektion anregt. Aber wenn man sich intensiver mit Mobbing und dessen Folgen auseinandersetzen will, sind andere Jugendromane womöglich geeigneter.

Stefanie Höfler: „Tanz der Tiefseequalle“
(Gulliver von Beltz & Gelberg, 2018, Taschenbuch, 7,95 €)

 

Warum sehen so viele weg?

Philip-Maurice (35)

Neue Klasse, erster Schultag, und Paul hat den denkbar schlechtesten Start, als er ungewollt den tyrannischen Klassenführer Wieland beleidigt. Damit ist sein Schicksal besiegelt. Paul muss nun ein Jahr lang die Demütigungen von Wieland und dessen treuem Mitläuferfreund Viktor über sich ergehen lassen. Er wird „Porno-Paul“ getauft, von den beiden Mobbern verprügelt, bestohlen und, weil er Vegetarier ist, durch rohes Fleisch in der Schultasche gedemütigt. Pauls Versuche sich zur Wehr zu setzen, haben keinen Erfolg, sodass er sich seinem Schicksal ergibt und nun versucht, nicht weiter aufzufallen. Doch Paul ist nicht allein, andere teilen sein Schicksal als Außenseiter, und so entsteht eine wundervolle Freundschaft zu dem stark übergewichtigen Zocker-Champion Mehmet und zum „sonderbaren“ Ken.

„Das Jahr in der Box“ erzählt aus der Sicht des 16-jährigen Paul die realitätsnahe und erschreckend harte Geschichte von drei jungen Menschen, die Opfer von Mobbing werden, aber auch von Freundschaft, erster Liebe und dem Erwachsenwerden. Obwohl schon auf den ersten Seiten des Romans das dramatische Ende der Handlung offengelegt wird, bleibt das Buch weiter reizvoll und lesenswert. Allein schon die schonungslose Erzählweise aus der Sicht des Gemobbten macht das Buch spannend: Der Leser fühlt und leidet mit den drei Hauptfiguren. Eine Frage stellt sich schnell: Warum sehen so viele Mitschüler weg, überlassen zwei Personen so viel Macht und bestärken durch ihr Nichtstun die Täter noch?

Das Jugendbuch „Das Jahr in der Box“ hat mir gut gefallen. Spannend werden für Jugendliche maßgebliche Themen wie Mobbing, Freundschaft und Liebe aufgegriffen. Gerade die Leichtigkeit der Freundschaft unter erschwerten Bedingungen gibt Hoffnung, dass Freundschaft immer und überall nicht nur wichtig, sondern möglich ist. Eine Hoffnung, die auch das Ende des Buches gibt, indem der Protagonist Paul doch noch einen Ausweg aus der gesellschaftlichen Ausgrenzung durch Mobbing findet.

Michael Sieben: „Das Jahr in der Box“
(Carlsen Verlag, 2020, gebunden, 16 €)

 

Tierische Freunde und eine nette Jacke

Angela (19)

Vincent ist Einzelgänger. In Gedanken spricht er mit seinen tierischen Freunden. Das Fohlen, der Käfer, der Wurm und das Eichhörnchen stehen Vincent mit Ratschlägen zur Seite und geben ihm das Gefühl, nicht allein zu sein. Vincent besitzt ein Survival-Handbuch, in dem es um das Überleben in der Wildnis geht, aber schon der tägliche Schulbesuch ist für ihn ein Überlebenskampf. Die Mitschüler treten Vincent in den Bauch, zerstören seine Sachen und werfen ihn in den Dreck – er wird gemobbt und hat große Angst vor der kommenden Klassenfahrt. Erst die Freundschaft zur neuen Mitschülerin Jaqueline, genannt „Die Jacke“, hilft ihm, sich zu öffnen, sich den Erwachsenen anzuvertrauen und so das Mobbing zu beenden.

Mit seiner altersgemäßen, lebendigen Sprache gibt einem der Kinderroman „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“ die Möglichkeit, sich in die Gedankenwelt des einsamen und schikanierten Jungen hineinzufühlen. Der Protagonist Vincent ist viel allein und denkt darüber nach, was mit ihm passiert. Er fragt sich ständig, was normal sei, und entwirft beeindruckend durchdachte Pläne, um von seinen Klassenkameraden verschont und nicht mehr gemobbt zu werden.

Der Countdown bis zur Klassenfahrt gibt dem abwechslungsreichen Roman einen spannenden Aufbau. Die Sätze sind kurz und leicht, so dass sich das Buch schnell und angenehm lesen lässt, auch schon für Kinder ab acht Jahren, für die das Buch empfohlen wird. Das Buch greift ernsthafte und wichtige Themen wie Mobbing und Freundschaft, das Überwinden von Ängsten und das Anderssein auf, mit denen sich Schülerinnen und Schüler in diesem Alter immer wieder auseinandersetzen müssen. Der Roman macht Mut, gibt Hoffnung und verdeutlicht, dass man Mobbingattacken nicht schweigend ertragen muss, sondern sich dagegen wehren kann.

Enne Koens: „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“
(Gerstenberg Verlag, 2019, gebunden, 15 €)

 

 

, ,

Kommentar verfassen

Dein Kommentar wird von einem Moderator überprüft, bevor er auf der Website erscheint. Informationen zum Datenschutz