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Wie Neonazis ausgebremst werden können

Rassisten und Rechtsextremisten die Stirn bieten – das ist Ziel unseres Netzwerks. Die Q-rage!-Redaktion berichtet aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern über Beispiele, wie Neonazis ausgebremst werden können

Furkan Ki. (17), Laura (17), Pascal (17), Raphaela (17) für Q-rage!

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Als 2013 bekannt wurde, dass in der Hoyerswerda ein neues Flüchtlingsheim entstehen soll, wurde ein weiterer Schritt gemacht: Gemeinsam gründeten die ‚Initiative Zivilcourage‘ und die Gruppe ‚Pro Asyl Hoyerswerda‘ das Bürgerbündnis ‚Hoyerswerda hilft mit Herz‘. In ihm engagieren sich mehr als 150 Menschen, damit Neuankömmlinge in der Kleinstadt Fuß fassen können. Was viele dabei nicht wissen ist: Schon vor dem neuen Asylbewerberheim lebten Flüchtlinge in Hoyerswerda. Allerdings waren es nicht viele; und sie lebten unauffällig in Wohnungen. Erst mit dem neuen Asylbewerberheim wurde Hoyerswerda mit der Flüchtlingsthematik konfrontiert. Heute leben etwa 130 Flüchtlinge aus 15 Ländern in dem Heim nahe des Zentrums der Stadt. ‚Hoyerswerda hilft mit Herz‘ organisiert Begegnungstreffen zwischen Heimbewohnern und Einheimischen und einmal im Jahr sogar ein gemeinsames Fest im Zoo der Stadt Die größte Herausforderung ist für den 50-jährigen Pfarrer, eine Beschäftigung für die Flüchtlinge zu finden. Besonders stolz erzählt er uns von einem Fußball-Projekt. Vertretern der verschiedenen Initiativen ist es gelungen Einheimische und Flüchtlinge aus der sächsischen Kleinstadt zusammenzubringen.

Gemeinsam spielten sie vergangenen Sommer Fußball. „Es war, denke ich, für alle eine gute Sache und ich hoffe, dass wir auch in Zukunft noch viele solcher Aktionen haben werden“, berichtet er. Michel und die anderen Aktiven möchten mit all dem auch ein positiveres Bild von Hoyerswerda zeichnen. „Das Image der Stadt bringt mich immer noch oft dazu, mich rechtfertigen zu müssen“, sagt er. Wünschen würde er sich, dass mehr Schüler aktiv werden – deren Engagement bleibe bisher eher sporadisch. Wer ein Beispiel dafür braucht, dass sich Schülerengagement auszahlt, der findet es in der bayerischen Kleinstadt Treuchtlingen. An einem vermeintlich normalen Schultag strömen die Schüler der Senefelder-Schule dort im Jahr 2011 über den Pausenhof in die Schule hinein.

Während unter den Schülern hektisch getuschelt wird, schreiten mehrere Lehrer mit entsetztem Gesichtsausdruck und zügigem Gang schnurstracks Richtung Schulverwaltung – einen Zettel fest in der Hand. Die Aufregung ist groß, Gerüchte verbreiten sich, nach und nach erfährt man, was wirklich passiert ist: Vor der Schule haben unbekannte Männer Stundenpläne für das neue Schuljahr verteilt. Die Vorderseite wäre sicherlich ganz nützlich gewesen, doch auf der Rückseite hatten sich die ortsansässigen Neonazis ausgetobt: „Demokraten bringen uns den Volkstod!“ stand dort geschrieben. Dieselben Worte werden wenige Wochen später nachts auf den Pausenhof gesprayt. Die „Sene“, deren Schüler ganz unterschiedliche familiäre Hintergründe haben, wollte sich das nicht gefallen lassen.

„Wir sind bunt!“ lautete das Motto einer großen, von Schülern organisierten und von Lehrern unterstützten Demonstration. Mehr als 750 Menschen zogen mit selbstgestalteten Plakaten und zum Rhythmus der schulischen Trommelgruppe durch die Stadt und taten kund, dass weder an ihrer Schule noch in ihrer Stadt Platz für Rechtsextremisten ist. Michael Hertlein, ein Lehrer, der damals mitlief, erinnert sich: „So wie sich eine Gesellschaft nicht damit abfinden kann, dass einige wenige versuchen, das friedliche Miteinander zu stören, Hass und Angst zu verbreiten, so konnten wir uns nicht damit abfinden, nichts zu tun.“

Im folgenden Schuljahr veranstalteten Schüler einen Projekttag zum Thema Rassismus und sammelten Unterschriften für das Selbstverständnis von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Kurz darauf konnte der Titel verliehen werden. Lehrer Hertlein sagt: „Er ist eine verdiente Ehrung für das Engagement der Schüler und noch mehr eine Verpflichtung, auch in Zukunft Diskriminierung und Intoleranz die Stirn zu bieten“. Die Neonazis von damals tauchten übrigens nie wieder auf, weder vor dem Schultor, noch in der Stadt. Und auf der Website der vermuteten Drahtzieher heißt es kurz angebunden: „Aktualisierung der Seite wird eingestellt“.

Erstveröffentlichung: Q-rage! 2015/16

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